Virtuelle Gastfreundschaft

Ob es nun eine Frage des Marketings oder der personalisierten Unterhaltung ist, die virtuelle Realität hat auch das Hotelgewerbe erobert: Dank modernster Technik können Sie nun die Hotels der bekanntesten Ketten besuchen, ohne vom Sofa aufzustehen, oder Sie können spannende Abenteuer genießen und dabei bequem in der Lobby sitzen.
Seit einigen Jahren macht die Tourismusbranche mit einem gewissen Erfolg und zunehmend interessanten Resultaten von der Technik der virtuellen Realität Gebrauch: vom Marketing über Vorabbesuche von Destinationen und Hoteleinrichtungen, sich ergänzende Videos von Einrichtungen, deren Mitarbeiter sich einander besuchen, bis zu personalisierten Unterhaltungsinhalten auf dem Zimmer – das Risiko einer enttäuschenden oder langweiligen Reise scheint in eine immer weitere Ferne zu rücken.
Diese besondere Informationstechnik, in die Unternehmen wie Sony, HTC, Samsung und Facebook beträchtliche Ressourcen investieren – offizielle Schätzungen belaufen sich auf 120 Mrd. Dollar bis 2020 –, kombiniert spezifische Hardware und Software, die in der Lage sind, Bilder und Klänge zu erzeugen, die so realistisch sind, als würde der User in eine echte 3-D-Simulationsumgebung eintauchen.
Dank des Viewers, der das Bild projiziert, integrierter Kopfhörer und häufig eines Joysticks, mit dem man das, was man betrachtet, manipulieren kann, besteht die Möglichkeit, virtuell mit dieser Alternativrealität zu interagieren, auch mittels Schwingungen und sonstigem durch einige Kontrollboxen zur Verfügung gestelltem Feedback.

Als Marketingtool dient diese Technik nicht nur zur Verbreitung von Videogames und sonstigen Unterhaltungsprodukten wie Filmen und kommt daher immer häufiger zum Einsatz, da sie praktischer ist als Fotos und Feedback: In den letzten Jahren erneuerte Ketten wie Marriott Hotels and Resorts, Best Western Hotels & Resorts, Holiday Inn Express, Carlson Rezidor Hotel Group, Shangri-Li Hotels and Resorts und Airbnb haben die VR-Technologie individuell in das Serviceangebot für ihre Gäste integriert.

2015 lancierte Shangri-Li beispielsweise eine 360°-Videoproduktion, anfänglich in 17 Vertriebsbüros und bei 94 einzelnen Teams und nun direkt auf der Website der Kette, die einen realitätsnahen Besuch der Einrichtungen ermöglicht. Bis vor ein paar Jahren war es das Ziel der Hotelkette, Großhändler, Reiseveranstalter und Tourismusprofis anzusprechen. Gegenwärtig kann jeder von auf seiner Couch aus in die Hotelpools eintauchen, ein Zimmer nach dem Ausblick oder dem Komfort des Bads auswählen und sich eine konkrete Vorstellung von der tatsächlichen Größe der Lobbys und Konferenzräume verschaffen. Um ein noch attraktiveres und realitätsnäheres virtuelles Erlebnis zu genießen, wird empfohlen, Videos herunterzuladen und diese mittels einer VR-Brille zu betrachten, die die Oculus-Plattform unterstützt.
Eine ähnliche Strategie wie Shangri-La setzte die Carlson Rezidor Hotel Group mit dem Marktdebüt von BluPrint um, um mehr als nur konkrete Vertriebsinformationen zu bieten. Dabei handelt es sich um eine VR-optimierte Anwendung, die sich hauptsächlich an Investoren richtet, um diesen den Designprozess der Marke Radisson Blu näherzubringen.

aquarium sea life

Radisson Blu Berlino
Ebenfalls 2015 lancierte Marriott Hotels in zwei seiner Einrichtungen in New York und London den VRoom Service, bei dem es um mehr als nur Unterhaltung geht. Dieser wurde in Zusammenarbeit mit Samsung entwickelt und dank dessen wird Gästen die Möglichkeit geboten, virtuelle Erlebnisse direkt auf ihr Zimmer zu bestellen: Mit der Samsung-Gear-VR-Brille und den entsprechenden dazugehörigen Kopfhörern können Sie eine Reise nach China, Chile oder Ruanda mittels VR-Postkarten machen. Eine Reihe virtueller Reisegeschichten, die Geschichten und modernste Technik verbinden, zwei fundamentale Elemente für die Reisenden der jüngsten Generation.

"Reisen erweitert unser Bewusstsein und kurbelt unsere Vorstellungskraft an“, so Matthew Carroll, Vizepräsident von Marriott‘s Global Brand Management, „und unsere Gäste möchten originelle Bereiche betreten, die ihre Fähigkeiten und ihr Denken anregen".

Im Mai dieses Jahres startete Best Western eine Aktion zur Markenauffrischung im Zeichen von VR-Experience (was Dorothy Dowling, Chief Marketing Officer bei Best Western, als „Re-Architecturing“ bezeichnet), an der die 2200 nordamerikanischen Hotels der Kette beteiligt waren. Mithilfe der Google-Street-View-Technik sammelte das Best Western in Phoenix Bilder und Videos der angebotenen Zimmer, auch von den kleinsten: über 1,7 Mio. Fotos, denen personalisierte Storys und Musik hinzugefügt wurden, um 360°-Videos zu erstellen, die über ein Headset wie Google Card, Oculus Rift, Samsung Gear VR und Ähnliche in die virtuelle Realität gebracht wurden.
Abgesehen von der Möglichkeit, Hotels von zu Hause aus zu besuchen, rief das Multimediaproduktionsstudio Gentlemen Scholar, das William Campell und Will Johnson 2010 in Los Angeles gründeten und das laut Website für seine „attraktiven Inhalte mit starker erzählerischer Komponente“ berühmt ist, Space Hotel 360° ins Leben. Ein wirklich futuristisches und hyperrealistisches Weltraumhotel, das dank eines eng zusammenarbeitenden Teams von Innenraumgestaltern entstand: ein visuelles Produkt, das in der Lage ist, das mögliche Aussehen und die Funktionen eines solchen Hotels, würde es tatsächlich existieren, zu zeigen.

Zeitreise mit Virtual Reality

Aber wie bereits erwähnt geht es nicht nur um Marketing: In der äußerst eleganten Lobby-Bar im Aldwych in London genießen Sie beispielsweise einen exzellenten Cocktail mit schottischem Whisky und einer Orangenscheibe und einem unterhaltsamen Abstecher zu den Gerstenfeldern, Brücken und Quellen am Cromarty Firth in den Highlands mit einem Besuch der Dalmor-Whisky-Destillerie, wo die Spirituose gebrannt wird und reift.
In der Barkarte wird dieses VR-Erlebnis nicht erwähnt, sondern es ist nur der Tipp zu lesen, einen Origin zu bestellen und sich einen netten Ausflug in die Highlands zu gönnen. „Wenn jemand den Cocktail bestellt, servieren wir ihn direkt mit einer VR-Brille und Kopfhörern und laden den Gast zu einer Reise zu den Ursprüngen des Drinks, den er sich gerade anschickt zu genießen, ein“, so Pedro Paulo, Drink-Bar-Manager und Autor des Videos. Ein guter Tropfen reflektiert die Fässer, Felder und Orte, die ihn dazu gemacht haben“, erklärt Paulo, „und ich wollte einfach die Gelegenheit bieten, das zu verstehen.“

Nach dem Überfliegen von Hochebenen und Wasserläufen endet das virtuelle Erlebnis mit der Landung in der Lobby-Bar, wo der Barkeeper den Drink mixt, den Sie dann direkt vor Ihren Augen haben, sobald Sie die VR-Brille abnehmen: eine ausgeklügelte Mischung aus 12 Jahre altem Dalmore-Whisky, Merlet Soeurs Cerises Cherry Brandy, Kirschpüree und Grapefruitsaft mit einem Spritzer Chocolate Bitter und Champagne Lallier, die Sie bis zum Frühjahr 2018 zum Preis von 18 £ (einschließlich Reisekosten) genießen können.

Das Hotel Zetta der Viceroy Group in San Francisco testet ebenfalls die Nutzung von virtueller Realität beim personalisierten Entertainment: Exit Reality Mobile VR Cube ist ein innovativer realer Würfel, in dem Sie virtuelle Aktivitäten genießen können. Möglich ist dies direkt in der ungewöhnlichen und ziemlich eleganten, mobilen und transparenten Hotel-Lobby, die von außen durch eine große Fensterfront eingesehen werden kann. Eine extrem praktische Lösung, die es der breiten Öffentlichkeit ermöglicht, sich der virtuellen Realität jeweils nach dem persönlichen Geschmack zu nähern – von Unterwasserabenteuern bis zu klassischen Shooting Games.
Und der Porno als die Unterhaltung schlechthin darf in den vom Hotelgewerbe gebotenen VR-Erlebnissen auch nicht fehlen: Nachdem Pay-TV für Erwachsene durch WLAN überflüssig wurde, was viele renommierte Ketten dazu veranlasste, das entsprechende Angebot zu streichen, können mit der VR-Technik zumindest die Einkünfte ersetzt werden.

Andy Alvarez, Inhaber von VR3000.com und CEO von Webmaster Central berichtete, dass Hotelketten sofort von der Idee, erotische VR-Inhalte in ihren Hotelzimmern im Rahmen eines umfangreicheren Pakets an VR-Angeboten zu zeigen, angetan waren: Er ist überzeugt, dass sich dieses Produkt äußerst einfach verkaufen lässt, wenn der Gast Gelegenheit hatte, es auszuprobieren. Nicht umsonst scheint es bereits Vereinbarungen zu geben, gemäß denen das virtuelle Erlebnis von VR3000.com in 85 % der Hotelzimmer in der Europäischen Union zur Verfügung gestellt wird.

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