Tipps fürs Schneeschuhwandern

Es schneit. Leise verwandelt sich die Welt. Heinrich Wiesner

Zur schneebedeckten Landschaft im Schritttempo eine enge Beziehung knüpfen: Dies ist mit Schneeschuhen möglich.

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte

Die Geschichte der Schneeschuhe nahm vermutlich zirka 4000 Jahre vor Christus in Zentralasien ihren Anfang. Naturvölker hatten sich wahrscheinlich von der Beobachtung einiger Tiere mit breiten Pfoten inspirieren lassen, die sich mühelos auf dem Schnee fortbewegten.
Von Zentralasien begannen Völkerwanderungen nach Ost und West. Während Skier ihre größte Entwicklung in Skandinavien erfuhren, überquerte die Idee der Schneeschuhe die Beringstraße und landete so auf dem nordamerikanischen Kontinent. Die Indianer, die sich in Quebec, dem Osten und Nordosten Kanadas sowie in den Vereinigten Staaten niederließen, flochten aus Kiefernzweigen ein Gerüst, dessen Form sie von den Fußspuren der Tiere, die sie fingen, abgeschaut hatten.

Nach Europa gelangten die Schneeschuhe erst im 18. Jh. durch die britische und französische Armee, die sie nutzten, um während des Unabhängigkeitskriegs in die Grenzregionen um Quebec und in Neuengland zu gelangen. Nachdem fast drei Jahrhunderte vergangen waren, wurde die Fortbewegung mit Schneeschuhen in den Vereinigten Staaten und Quebec zu einer neuen Art des Freizeitvergnügens, was zur Gründung zahlreicher Vereine führte, die diese Aktivität in Form von Wettbewerben, Hindernisläufen und nächtlichen Wanderungen in der Natur förderten. Für viele wurden diese bald zu einer Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Auch in Europa und vor allem in den Alpenregionen haben sich die Zeiten geändert. Heute werden Schneeschuhe genutzt, um unvergessliche Wanderungen durch den Neuschnee in den unberührtesten Winkeln unserer Berge zu genießen – ganz ohne Ski.

Schneeschuhe

Es gibt mehrere Arten von Schneeschuhen, die je nach Art der Nutzung, des Verhältnisses Körpergewicht/Schneeschuhgröße, der Strecken, die zurückgelegt werden sollen, und der beabsichtigten Aktivität auszuwählen sind. Allgemein gilt die Regel, dass bei Tiefschnee und vorwiegend ebenem Gelände lange Stöcke genutzt werden, wogegen bei steilerem Gelände kürzere und handlichere Modelle zu bevorzugen sind.
Allgemein gilt die Regel, dass bei Tiefschnee und vorwiegend ebenem Gelände lange Schneeschuhe genutzt werden, wogegen bei steilerem Gelände kürzere und weniger sperrige Modelle zu bevorzugen sind.
Schneeschuhe werden aus Kunststoff oder mit Neopren oder Polyurethan beschichtetem Aluminium gefertigt.
Schneeschuhe werden grob in drei Kategorien unterteilt.
 Originals. Dabei handelt es sich um die Schneeschuhe der Trapper, die heute nicht mehr gebräuchlich sind. Sie bestehen aus einem gebogenen und hinten zusammengebundenen Holzstück, das netzartig mit harzummanteltem Leder bespannt ist. Heutzutage werden sie nicht mehr verwendet.
Classics. Diese bestehen aus einem Aluminiumrahmen, der mit einer Kunststoffhaut bespannt ist. Obwohl sie recht sperrig sind, eignen sie sich optimal für den Tiefschnee und besitzen verschiedene Befestigungssysteme. Für steile Hänge und bei festem Schnee sind sie dagegen nicht geeignet.
Moderns. Diese weisen zwar unterschiedliche Formen auf, stellen jedoch im Grunde genommen einen Kompromiss aus den beiden vorherigen Versionen dar und bestehen aus Kunststoff oder Aluminium. Sie zeichnen sich durch unterschiedliche technische Bindungen aus und besitzen je nach Verwendungszweck verschiedene Harscheisen. Aufgrund ihrer technischen Eigenschaften eignen sie sich auch für die Querung steilen Geländes.
 Moderne Schneeschuhe bestehen aus einem Hauptelement, das die Fortbewegung bei Neuschnee ermöglicht. Je größer die Auftrittsfläche ist, desto besser gelingt die Fortbewegung, jedoch nimmt auch das vom Fuß zu tragende Gewicht zu. Auf der Fußplatte ist eine drehbare Bindung für den Schuh montiert, um den Kraftaufwand zu reduzieren und die Fortbewegung flüssiger zu machen. Auf technisch anspruchsvollen Streckenabschnitten (steile Hänge, Querungen), auf denen eine präzise Kontrolle notwendig ist, kann die Bindung mit einem rückseitigen Haken festgestellt werden.
Die Bindung ist längenverstellbar und kann somit verschiedenen Schuhgrößen angepasst werden. Normalerweise besteht sie aus einer frontseitigen Befestigung, in die die Schuhspitze eingefügt wird, und einer rückseitigen Befestigung am Knöchel. Unterseitig ist der Rahmen mit einigen Metallzacken besetzt, um für guten Halt bei hartem Schnee und steilem Gelände zu sorgen. Beim Wandern bergauf sollten Sie die Steighilfe benutzen. Dabei handelt es sich um eine Art Klappe unter der Ferse, die hochgestellt werden kann, wodurch die Knöchel weniger belastet werden.

Wandern mit Schneeschuhen

Man könnte dem Irrtum erliegen, Wandern mit oder ohne Schneeschuhe sei ungefähr dasselbe. Um Schneeschuhe korrekt zu nutzen, müssen jedoch einige Maßnahmen getroffen werden. Schnee ist niemals gleich. Er kann locker, vereist, nass oder eine Kombination mehrerer Stadien sein, sodass Sie Ihren Stil beim Schneeschuhwandern bei jedem Schritt entsprechend anpassen müssen.
Im Allgemeinen funktioniert das Schneeschuhwandern ein wenig wie Nordic Walking: Arme und Beine bewegen sich abwechselnd. Wenn Sie den rechten Fuß nach vorn setzen, setzen Sie den Stock in Ihrer linken Hand in den Schnee und umgekehrt.
Der häufigste Fehler, der begangen wird, wenn man zum ersten Mal mit Schneeschuhen unterwegs ist, ist, mit einem breiten, langen Spreizschritt zu beginnen, was jedoch die beste Art und Weise ist, um im Schnee einzusinken: Am besten ist es jedoch, einen guten Laufrhythmus mit kurzen Schritten zu finden und dabei die Beine nur etwas breiter als normal zu öffnen (Abstand zwischen den Schuhen zirka 40/50 cm). Wenn Sie nicht selbst den Weg erschließen, folgen Sie stets der bereits vorhandenen Spur.
Auf ebenem Gelände darf die Bindung nicht festgestellt sein (die Ferse muss sich bewegen können), um einen lockeren und natürlichen Bewegungsablauf zu ermöglichen. Lassen Sie die Beine leicht geöffnet, damit die Schneeschuhe nicht aneinanderschlagen und sich verfangen. Beim Gehen die Schneeschuhe nicht besonders anheben, sondern eher auf dem Schnee gleiten.
Bergauf nutzen Sie die Steighilfe. Diese erleichtert das Vorankommen und schont die Knöchel. Folgen Sie bergauf stets der steilsten Steigung, damit die Frontkralle greifen kann. Damit Sie bei sehr steilen Steigungen nicht ausrutschen, achten Sie darauf, dass der vordere Fuß stets stabil aufgesetzt ist, bevor Sie den hinteren Fuß nachziehen. Dieser Bewegungsablauf im Schnee kann mehrmals wiederholt werden.
Bei sehr starkem Gefälle und besonders hartem Schnee setzen Sie beide Schneeschuhe bergwärts und bewegen sich seitlich fort. Setzen Sie dabei zuerst die Stöcke bergwärts, holen Sie dann die Füße nach und achten Sie darauf, dass sie bei der Bewegung immer an drei Punkten abgestützt sind.
Bergab darf die Bindung wie auf der Ebene nicht festgestellt werden. Bei leichtem Gefälle können Sie langsam nach unten gehen und dabei zuerst die Ferse und dann die Spitze aufsetzen. Bei starkem Gefälle können Sie die Telemark-Technik in Anspruch nehmen und versuchen, den Schwerpunkt nach unten zu verlagern, indem Sie Ihre Knie beugen. Oder Sie stellen die Bindung fest und gehen mit kleinen Schritten bergab.

Einige Tipps für das sichere Schneeschuhwandern

Schneeschuhwandern ist ein Sport, der für jedermann geeignet ist und kann auch mit Kindern praktiziert werden. Abseits von gesicherten Wegen sollten Sie jedoch stets einige einfache Regeln beachten.
Wählen Sie die richtigen Strecken. Wählen Sie Strecken, die für Ihr Können und Ihre Kondition geeignet sind, und kalkulieren Sie die Gehzeiten nach dem Tempo der langsamsten Personen.
Nutzen Sie geeignete Kleidung und Ausrüstung. Wir empfehlen das Zwiebelprinzip; vermeiden Sie wattierte Kleidungsstücke, die Ihre Bewegung behindern. Als erste Schicht nutzen Sie am besten ein langärmliges Funktionsshirt, als zweite Schicht einen Fleece-Pullover, ebenfalls aus Funktionsgewebe und am besten winddicht, der Sie warm hält und Schweiß verdunsten lässt. Darüber tragen Sie eine wasser- und winddichte Jacke, am besten aus atmungsaktivem Gore-Tex- oder Polartech-Material. Dazu eine lange Funktionshose, nicht gefüttert, die ebenfalls atmungsaktiv, winddicht und wasserabweisend ausgerüstet ist. Dazu kommen Strümpfe und Wanderschuhe und möglichst Gamaschen, die Sie tragen können, um Schuhe und Knöchel vor Schnee zu schützen. Vergessen Sie nicht eine Kopfbedeckung, Handschuhe und eine Sonnenbrille.
Prüfen Sie den Wetterbericht. Bekanntermaßen kann das Wetter in den Bergen äußerst schnell umschlagen. Informieren Sie sich daher stets über den Wetter- und den Lawinenbericht. Bei unsicheren Witterungsbedingungen kehren Sie am besten um. Planen Sie stets einen alternativen Rückweg.
Besorgen Sie sich ein LVS-Gerät. Dabei handelt es sich um ein Lawinenverschüttetensuchgerät, das auf einer festen Monofrequenz (457 kHz), die all diese Geräte gemeinsam haben, sendet. Bei einer Lawine empfängt das LVS-Gerät Signale von verschütteten Personen, die ebenfalls mit einem solchen Gerät ausgestattet sind, was die Bergungszeit erheblich reduziert.
Niemals allein. Unternehmen Sie niemals allein eine Schneeschuhwanderung, auch wenn Sie die Berge gut kennen. In jedem Fall sollten Sie stets eine andere Person über die geplante Route informieren.

Training

Schneeschuhrennen sind eine anerkannte Sportart, auch wenn sie keine olympische Disziplin sind. Es gibt einen internationalen Verband (WSSF) und eine Weltmeisterschaft, die dieses Jahr in Kantabrien (Nordspanien) stattfindet.
Schneeschuhwandern ist ein Sport, bei dem Sie sehr viel Energie verbrauchen. In einer Stunde können Sie bis zu 1000 Kalorien verbrennen. Deswegen sollten Sie sich körperlich gut vorbereiten und Ihre aerobe Ausdauer verbessern.
Nutzen Sie hierfür einen Crosstrainer. Der Bewegungsablauf, den Sie auf einem Crosstrainer absolvieren, entspricht dem beim Nordic Walking oder beim Langlaufen und ist dem beim Schneeschuhwandern nicht unähnlich. Mittels der Nutzung eines geeigneten Widerstands können Sie auch die Anstrengung nachvollziehen, die Sie beim Schneeschuhwandern auf unebenem Gelände erwartet.
Absolvieren Sie Squats. Squats sind eine ausgezeichnete Übung, um Ihre Beinmuskulatur zu kräftigen. Sie können sie mit oder ohne Gewichte ausführen, auch wenn das Training mit Gewichten wesentlich wirkungsvoller ist.
Seitstütze. Außer der Beinmuskulatur müssen Sie auch Ihre Bauchmuskulatur trainieren. Die sog. Seitstütze sind in dieser Hinsicht äußerst effektiv. Wie werden sie ausgeführt? Ausgangsposition: Der Körper befindet sich in Seitenlage (rechts oder links). Auf einem Unterarm aufstützen – der Arm zeigt dabei nach vorn. Die Beine parallel übereinanderlegen. Der Ellenbogen befindet sich auf dem Boden unter der Schulter. Den Unterarm vor dem Körper in den Boden drücken. Einatmen und den Bewegungsablauf starten: Indem die schräge Bauchmuskulatur zusammengezogen wird, wird der gesamte Körper vom Boden bis zum seitlichen Teil des Fußes angehoben. Ellenbogen und Unterarm bleiben als Stütze auf dem Boden. Die Übung besteht darin, diese Position zu halten. Anschließend in die Ausgangsposition zurückkehren und die Übung auf der anderen Körperseite wiederholen.

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