Kaffee ist der neue Gin

Einen guten Kaffee trinken ist eher Ritual als Routine, und trotz gegenteiliger Überzeugungen wird diesem Getränk in einigen Hotels endlich die gebührende Aufmerksamkeit beigemessen. Es geht dabei nicht unbedingt um Espresso, der weltweit berühmtesten schnellen Kaffeezubereitung, die traditionell im Stehen getrunken und manchmal in erwärmten Tassen serviert wird. Im Gegenteil, es handelt es sich meistens um eine Zubereitung aus gemahlenen Bohnen, die viel Zeit in Anspruch nimmt und nicht auf drei Schlucke konzentriert werden kann. Lassen Sie uns diesen neuen Trend gemeinsam entdecken und erfahren Sie, wo dieser im modernen Hotelgewerbe aufgegriffen wurde.

Bali und Kaffeekultur aus Jakarta

Katamama ist ein Boutiquehotel auf der Insel Bali in Indonesien. Katamama bedeutet so viel wie „Mama sagt“, und dabei wird davon ausgegangen, dass das, was Eltern sagen, Gesetz ist. Dieser Tempel des Erfindungsreichtums ist eine wahre Glücksoase Balis. Farbenfroh wie die berühmten Theatermasken ist er das Ergebnis eines modernen Hotelkonzepts. Kein Glamour, kein überflüssiger Marmor, nur traditionelle Handwerkskunst, die Hand in Hand mit Design geht. Das Katamama ist jedoch nicht nur für seine gekonnt gemixten Cocktails bekannt, die durch ihre Farbenpracht überzeugen und zu denen neu interpretierte Klassiker wie auch andere alkoholische Köstlichkeiten gehören, sondern auch für seine Wertschätzung des Kaffees. Mit der Eröffnung eines hoteleigenen Cafés trat das Hotel in einen ganz besonderen Dialog mit diesem Getränk:
One Fifteenth Coffee wurde 2012 als eins der ersten Cafés in Jakarta eröffnet, die Kaffeespezialitäten anbieten. Das anfängliche Ziel war so schlicht wie die Innenraumgestaltung: einen bemerkenswerten Kaffee an einem Ort servieren, der das gesellschaftliche Beisammensein und den Austausch innerhalb der Gemeinschaft fördert und sich harmonisch in diese einfügt. Kurz nach der Eröffnung schloss One Fifteenth Coffee eine Partnerschaft mit Morph Coffee Roasters, um von ihnen seine eigene Bohnen rösten zu lassen. In weniger als einem Jahr stieg der Chef-Barista des One Fifteenth Coffee bei den indonesischen Barista-Meisterschaften auf das oberste Treppchen und trat als erster indonesischer Vertreter bei der Barista-Weltmeisterschaft an.
Das One Fifteenth Coffee stellt unter Beweis, dass Handwerkskunst in perfektem Gegensatz zur Routine der automatischen und nahezu lustlosen Kaffeezubereitung steht. Jede einzelne Tasse ist das Ergebnis durchdachter Studien und Brühmethoden, um aus jedem Körnchen das Beste herauszuholen. Die Philosophie dessen, was mehr als nur ein einfacher Kaffee ist, kommt bereits im Namen zum Ausdruck: 1:15 ist das Kaffee-Wasser-Verhältnis, mit dem man einen optimalen Kaffee zubereitet. All dies beginnt mit der gründlichen Auswahl der Rohmaterialien. One Fifteenth Coffee arbeitet mit lokalen Kooperativen zusammen, um seinen Kunden mit jeder einzelnen Mischung eine neue Genussperspektive zu gewähren, denn die Mischungen stammen aus unterschiedlichen Regionen der Welt.

Der Kaffeegenuss wird zu einem exklusiven Club: im Ace Hotel in London und New York und im Soho House in Toronto.

Ein derartiges Augenmerk, das der Qualität von Kaffee beigemessen wird, ist nicht nur in Bali zu finden: Die verschiedenen, auf der ganzen Welt vertretenen Ace Hotels waren die ersten, die ihren Gästen feine Filterkaffeemischungen der Spitzenqualität boten. Wir wählten zwei Beispiele: London und New York.
Das erste Stumptown-Coffee-Roasters-Café in der Lobby des Ace Hotel in New York wurde 2009 eröffnet. Die Wahl fiel nicht zufällig auf diesen Ort: In Hotels trifft man sich, tauscht sich aus und wird mit Neuem konfrontiert, und das New Yorker Hotel war von Anfang an Treffpunkt für eine Mischung aus Künstlern, Geschäftsleuten und angehenden Schriftstellern, die sich an diesem raffinierten, jedoch niemals prätentiösem Ort alle wohlfühlten.
Das Angebot? Von Espresso bis zu Kaffee aus der Pressstempelkanne, der Chemex-Karaffe oder der Aeropress. Im Kielwasser der Ace-Hotel-Kette und dank der Arbeit von Stumptown Coffee Roaster baute sich eine neue Kaffeewelle auf, die ihren Höhepunkt im Roost Apartment House in Philadelphia erreichte, dessen Gäste auf ihren Zimmern alles finden, um Kaffeebohnen zu rösten und ihren eigenen Filterkaffee zuzubereiten. Das Ace Hotel in Shoreditch, London, ist da keine Ausnahme. Dort wird das Angebot von Bulldog Edition in Zusammenarbeit mit Square Mile Coffee Roasters zusammengestellt. Der exklusive Kaffeegenuss steht unter der Leitung eines World Barista Champion und von Annette Moldvaer, World Cup Tasters Champion. Das Ergebnis ist eine schier obsessive Liebe zum Detail im Rahmen einer kontinuierlichen Suche nach den weltbesten Röstungen.
Last but not least ein weiteres großartiges Beispiel für ein Hotel, das das gewisse Etwas mehr bietet und Design und erschwingliche Preise miteinander verbindet: Casa Bonay in Barcelona. Zur Einrichtung in einem komplett renovierten Gebäude des sozialen Wohnungsbaus gehört nicht nur ein Hotel. Restaurants, Boutiquen und Bars machen das Bonay zu einer Adresse, die man sich unbedingt merken und ausprobieren sollte. Auch dort ist Kaffee eine ernste Angelegenheit. Betreut wird das Projekt nämlich von Satan‘s Coffee Corner, die 2012 die Kaffeekultur nach Barcelona brachte.
Kaffee liegt so sehr im Trend, dass echte exklusive Clubs entstanden, wie das Soho House, allen voran das in Toronto unter der Leitung von Gabriel Navarro. Für alle, die es nicht wissen: Ein Soho House ist ein Member‘s Club, bestehend aus Cafés, aber auch Restaurants und Hotels. Die Wartezeit für die Aufnahme beträgt zwei Monate bis zwei Jahre, aber sind sie erst mal aufgenommen, genießen Soho-House-Members ein einzigartiges Erlebnis einschließlich eines kompletten Programms zum Entdecken und Verkosten von Kaffee.
Das überrascht nicht, wenn man sich Navarros normalen Tagesablauf ansieht: E-Mails, Brainstorming mit dem ganzen Team, Austausch mit Managern aus anderen Ländern – und dabei geht alles um die perfekte Mischung, wobei Neues stets willkommen ist. In Hotels der Spitzenklasse gibt es meistens Kaffee, der nicht schlecht und zumindest mittelmäßig ist. So nicht im Soho House: Kaffee ist dort ein wesentlicher Bestandteil der Routine. Mit einem guten Kaffee in den Arbeitstag zu starten kann den Unterschied machen, auch wenn es für die meisten ein irrelevantes Detail ist. Kurzum ist wahre Kultur eine, die jeden Tag genährt wird und in jeder Hinsicht Engagement und Leidenschaft vermittelt.

Foodies-Hotels: Belcampo in Belize und Hacienda de San Antonio in Mexiko

Wenn Sie aber daran interessiert sind, der Kaffeekultur auf den Grund zu gehen, zu lernen, wie Sie die Kaffeepflanzen unterscheiden, und mehr über deren Anbau zu erfahren, sollten Sie wissen, dass es einige Hotels gibt, denen Sie zumindest einmal einen Besuch abstatten sollten.
Das Hotel Belcampo in Belize befindet sich inmitten eines zirka 15.000 ha großen Naturschutzgebiets und hebt sich zweifelsohne von der Konkurrenz ab. Die Einrichtung überrascht durch ihre perfekt ausgewogene Mischung aus Privatsphäre und Abenteuer. Es gibt nur 16 Zimmer, die maximale Intimität und die richtige Dosis an Abgeschiedenheit garantieren. Das kulturelle Angebot ist jedoch äußerst umfangreich. Von Mountainbiketouren bis Tauchen werden im Belcampo Belize alle Angebote mit größter Aufmerksamkeit betreut.
Und es ist ein echtes Foodies-Hotel: Auf der 3000 ha großen Fläche eines nachhaltig bewirtschaften Bauernhofs können die Gäste an Workshops und Kursen teilnehmen, bei denen es von Schokolade über Kaffee und Rum bis zu Gewürzen geht. Alle Zutaten werden lokal hergestellt und sind daher nachhaltig. Darüber hinaus können Sie den Chefkoch beim Schnorcheln auf der Suche nach dem Abendessen begleiten. Ein weiteres Beispiel für einen neuen Hoteltyp, der keinen Wert mehr auf aufwendige Innenausstattungen und gleichbleibende Identität in jedem Stockwerk legt, ist die Hacienda de San Antonio in Mexiko. Das Landgut stammt aus dem 19. Jh., ist durch seine blassrosa Fassade geprägt und nur mit einem Privatjet zu erreichen. Das Grundstück befindet sich am Fuß eines aktiven Vulkans und umfasst einen 5000 ha großen Landwirtschaftsbetrieb. Zu den angebotenen Aktivitäten gehört eine Tour zur Kaffeeplantage, um diese Pflanze kennen- und die Kaffeemischung daraus schätzen zu lernen. Nicht nur Tennisunterricht und lustloses Planschen im Pool. In der Hacienda de San Antonio wird Ihr Urlaub zu einem echten Abenteuer im Schatten des Volcán de Fuego de Colima, der pustet, grollt und Lava auswirft. Das Abendessen wird niemals zweimal am selben Ort serviert. Wenn Sie ein Foodie sind, dann sind diese Orte, die zeigen, wie sich das Hotelwesen weiterentwickelt hat, wie geschaffen für Sie.
Luxuriöse Betten und aufwendige Lüster werden stets wesentlicher Bestandteil bestimmter Einrichtungen sein, aber der neue Luxus im Hotelgewerbe setzt auf ein schlichtes Ambiente, das Tradition und Moderne vereint und seinen Gästen authentische Erlebnisse bietet. In diesem Sinn passt das wachsende Interesse an Kaffee perfekt in dieses revolutionäre Hotelkonzept.
Kaffee ist ein erschwingliches Getränk, das – gerade weil es für jeden zugänglich ist – schon beim Aufwachen ein einzigartiges Erlebnis bieten und Ihrem Tag eine ganz neue Bedeutung verleihen kann.

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