Sex bitte, wir sind Athleten: Sex und sportliche Leistung

Jede Wahrheit hat ihre Mythen. Kein Bereich ist dagegen immun, nicht einmal der Sport. Und auch wenn sich die Erkenntnis hinsichtlich der Bedeutung von körperlicher Aktivität mehr und mehr verbreitet, gibt es doch Überzeugungen, die nur schwer auszuräumen sind. Dabei geht es vor allem um eine: Sex wird als eine Aktivität gesehen, die sportliche Leistungen negativ beeinträchtigt.
Das ist weniger als die halbe Wahrheit, und in diesem Fall könnte man wohl von einem falschen Mythos sprechen. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis zur Unterstützung der These „kein Sex vor dem Sport“. Im Gegenteil: Die (wenigen) Studien in diesem Bereich geben ein ganz anderes Szenario wieder.
Kurz gesagt: gute Neuigkeiten für Athleten.

Eine Überzeugung, die von weit her kommt

Ist der uralte und maßgebliche Ursprung der Legende, dass Sex Leistungen entgegensteht, der Grund dafür, dass diese so hartnäckig bestehen bleibt? Vermutlich. Vor Tausenden von Jahren war man der Meinung, dass Abstinenz gut für Sport ist. Bereits im 1. Jh. v. Chr. stellte der griechische Arzt Aretaios aus Kappadokien fest, der Verzicht auf sexuelle Aktivität würde die Kraft eines Mannes steigern. Vor ihm äußerte sich auch Platon zu diesem Thema und forderte die Athleten vor Wettkämpfen zur Abstinenz auf.

Noch heute gibt es Leute, die in diese archaischen Fußstapfen treten und die Meinung aus der Antike bekräftigen: Der Trainer der bosnischen Fußballnationalmannschaft forderte beispielsweise die Partnerinnen der Spieler auf, diese nicht zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zu begleiten. Angesichts der Fakten scheint der Gedanke, das Team hatte bessere Ergebnisse erreichen können, wenn die Partnerinnen mit nach Rio gereist wären, nicht abwegig zu sein.

Falsch, aber vor allem nur wenig erforscht

Eine italienische Studie räumt den Mythos ein für allemal aus, auch wenn die Ergebnisse der von der Universität Florenz durchgeführten Studie eine Tatsache enthüllen, die nicht außer Acht gelassen werden darf: den Mangel an methodisch genauen Studien über die Beziehung zwischen sexueller Aktivität und sportlicher Leistung. Von den 500 Studien, die die Forscher prüften, waren nur 9 es wert, eingehender untersucht zu werden, und keine davon schien das Problem systematisch anzugehen.
In jedem Fall herrschte Einstimmigkeit hinsichtlich der endgültigen These: Die positiven Auswirkungen von Sex auf körperliche Aktivität überwiegen die negativen.

Die Vorteile für den Körper scheinen allgemeiner Art zu sein, der größte Nutzen ist dagegen psychologisch: Sex wirkt entspannend und hilft dabei, wettkampfbedingten Stress abzubauen, was insbesondere Ausdauersport und Sportarten, die ein hohes Niveau an Konzentration erfordern, zugutekommt. Vorausgesetzt, dass der Schlaf nicht darunter leidet.

Eine Regel: keine Regeln

Lange Zeit wurde der Mythos der Abstinenz vor Wettkämpfen dadurch untermauert, es gäbe eine Verbindung zwischen Sperma und Testosteron. Im Wesentlichen war man davon überzeugt, dass die Speicherung von Sperma den Hormongehalt im Körper auf einem hohen Niveau aufrechterhalten oder sogar erhöhen könnte. In Wirklichkeit scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein. Die vom Sextoy-Hersteller Adam&Eve in Auftrag gegebene Studie über die Beziehung zwischen Sex, Masturbation und athletischer Leistung kam zum Schluss, dass sich nicht Sex negativ auf die Leistung auswirkt, sondern Abstinenz.
Und die praktischen Erfahrungen von Athleten scheinen dies zu bestätigen: 60 % aller Sportlerinnen und Sportler geben an, sie hätten bei Wettkämpfen die besten Ergebnisse nach sexueller Aktivität erzielt.

Dieselbe Studie ergab u. a. zwei äußerst interessante Datenreihen: Insbesondere bei männlichen Athleten würde sich die Masturbation noch mehr auf den Körper auswirken als sexuelle Aktivität und würde Beweglichkeit und Körperkraft verbessern. Und was erneut bei der Beziehung zwischen Sex und Sport am meisten zählt, ist der psychologische Aspekt: Ganz einfach: Der Gedanke, dass sich unsere sexuelle Aktivität negativ auf die sportliche Leistung auswirkt, führt tatsächlich zu einem Leistungsverlust, die gegenteilige Überzeugung zu einer tatsächlichen Verbesserung.

Abgesehen von der landläufigen Meinung, herrscht unter Coaches von Profiathleten (nahezu) völliges Einverständnis: Die beste Regel ist, keine Regeln aufzustellen und die Entscheidung über Sex vor Wettkämpfen den einzelnen Athleten zu überlassen.

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