Michael Matt: Mit „Telefon-Joker“ zu WM-Gold

Michael Matt steigt von seinem SKILLBIKE. Die Muskulatur pulsiert, der Schweiß tropft von der Stirn des Slalom-Artisten, das Adrenalin wirkt noch nach. Egal ob Kraft, Ausdauer oder Koordination. „Wenn ich mich nach dem Training besser und stärker fühle als davor, dann war es eine gute Einheit.“ In den Sommermonaten waren es bis zu 10 Einheiten pro Woche. „Da wird die Basis für Siege und Stockerlplätze gelegt.“

Training bedeutet für mich ans Limit zu gehen und darüber hinaus.

Unterstützt wird der 25-Jährige von zwei ausgewiesenen Experten: Gerhard Außerlechner arbeitet mit dem jüngsten Spross der Matt-Dynastie alles zum Thema Krafttraining ab, Markus Hangl ist spezialisiert auf den Rumpf, eine für Skifahrer ganz besonders wichtige Körperpartie. „Es sind die kleinen Dinge, die oft große Wirkung haben. An diesen Feinheiten haben wir nach der letzten Saison gezielt gearbeitet.“ Wenn Michael Matt von der letzten Saison spricht, dann spricht er vom erfolgreichsten Winter seiner Karriere. Erst carvte er im Super-Jänner zu drei zweiten Plätzen in Oslo, Zagreb und Adelboden. Die Ausfälle in Kitzbühel und Schladming, also ausgerechnet bei den beiden Heim-Rennen, konnten dem Selbstvertrauen des Slalom-Artisten nichts anhaben. Und so fuhr Michael Matt mit breiter Brust zu den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang – und mit Silber im Teambewerb und Bronze im Slalom wieder nach Hause.
Es war die Fortsetzung einer Familientradition, denn schon seine beiden Brüder hatten Olympisches Edelmetall mit nach Hause gebracht. Skicrosser Andreas jubelte 2010 in Vancouver über Silber. Vier Jahre später stand mit Mario schon einmal ein Matt im Slalom am Olympia-Treppchen – und dort in der Mitte.
Eine Weltcup-Saison hat das alpine Brüderpaar noch gemeinsam bestritten. Für Mario war es der Abschied von der großen Bühne, für Michael der erste volle Winter im Konzert der Großen. „Das war ein echtes Lehrjahr“, erinnert sich der Technogym-Markenbotschafter an seine Anfänge. In sieben Rennen kam er nur einmal ins Ziel. Damals wie heute holt er sich Tipps vom großen Bruder. „Er war immer mein Vorbild.“ So kann es nach wie vor passieren, dass zwischen den Durchgängen das Telefon klingelt. „Wenn er anruft weiß ich, dass etwas nicht gepasst hat. Dann reden wir darüber. Wenn es gepasst hat, ruft er eh nicht an.“

So mancher Beobachter mag Parallelen in der Technik und im Stil erkennen, vor allem aber haben die beiden Weltklasseathleten aus Flirsch am Arlberg die Coolness gemein. „Iceman“ lautete der Spitzname von Mario, weil ihn nichts aus der Ruhe bringen konnte. „Das liegt in unseren Genen. Der Papa war auch immer tiefenentspannt.“

Erfolg im Skirennsport bedeutet: 70 Prozent Kopf und 30 Prozent Skifahren.

Die Gedanken an die nächsten Wochen lassen den Puls des bodenständigen Tirolers aber jäh nach oben schnellen. Zagreb, Adelboden, Wengen, Kitzbühel, Schladming – mit dem Jahreswechsel nimmt der Winter so richtig Fahrt auf, jagt ein Höhepunkt den nächsten. Mit dem dritten Platz im Slalom von Madonna di Campiglio setzte Michael Matt, der auch als Westernreiter eine gute Figur macht, kurz vor Weihnachten ein erstes Ausrufezeichen in dieser Saison. Spätestens bei der Weltmeisterschaft im schwedischen Aare möchte er wieder am Stockerl stehen. Eine Medaille ist das Ziel, aber nicht irgendeine. „Ich will die Goldene, das wäre richtig cool.“ So wie Bruder Mario eben dort vor 12 Jahren. Einen besseren „Telefon-Joker“ gibt es kaum.

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